Postnatale Depression

Postnatale Depression

Depressionen sind eine inzwischen anerkannte psychische Krankheit, die jeden treffen kann und die in der Gesellschaft nicht mehr das Stigmata von früheren Zeiten hat. Wie körperliche Krankheiten können auch Depressionen oder depressive Verstimmungen in verschiedenen Ausprägungen auftreten, zum Beispiel nach dem Tod eines Familienmitglieds, dem Verlust des Arbeitsplatzes oder aufgrund einer massiven Störung des Hormonhaushalts. Welche Art der Depression jedoch immer noch relativ unbekannt ist und daher schwerer verstanden werden kann, ist die Depression nach einer Schwangerschaft, in der Wissenschaft postnatale Depression genannt. Diese Form betrifft hauptsächlich Frauen – jedoch nicht ausschließlich – und tritt unabhängig von der persönlichen Lebenssituation oder der Freude über das neugeborene Baby auf. Bereits vor Jahrzehnten wurde diese Krankheit erkannt und als „Wochenbettdepression“ diagnostiziert, es handelt sich also dabei keineswegs um eine Erscheinung der modernen Zeit.

Wie äußert sich eine postnatale Depression?

Eine Depression ist – besonders für Außenstehende – nicht immer leicht zu erkennen. Auch die Betroffenen selbst bleiben oft lange Zeit im Unklaren über die Ursache ihres Gemütszustandes. Aber es gibt einige Anzeichen für eine postnatale Depression, wenn sie gehäuft auftreten, sollten sich Betroffene an einen Arzt ihres Vertrauens wenden.

  • außergewöhnliche Erschöpfung: Auch wenn keine Schlafstörungen vorliegen und man ausreichend ruhen kann, verschwindet die Mattigkeit nicht. Bei durchwachten Nächten wegen des Babys intensiviert sich diese Erschöpfung durch eine postnatale Depression bis hin zum Nervenzusammenbruch
  • Stimmungsschwankungen: Darunter fallen ehrliche reine Freude über das Baby in der einen und Weinanfälle in der nächsten Minute. Ein gesundes Selbstbewusstsein im Hinblick auf die Herausforderungen der Kindererziehung ist damit nur schwer möglich
  • Schuld- und Versagensgefühle: Im Hinblick auf die Zukunft und die Verantwortung als neue Mutter brechen panische Gefühle aus, dem Kind nicht gerecht zu werden oder etwas falsch zu machen ist dabei der Kernaspekt
  • Ausbrüche von Traurigkeit: Darunter fallen spontane Weinanfälle, Heulkrämpfe und negative Gefühlsschwankungen, denen kein direkter Grund zugeordnet werden kann
  • Schlafstörungen: Das bedeutet, dass man nur noch schwer Schlaf finden kann, obwohl die Erschöpfung übermächtig erscheint. Häufiges Wälzen und Aufwachen gehören ebenfalls dazu
  • Panikattacken und tiefe Ängste: Tiefe Sorgen um das Baby sowie um die eigene Zukunft können zu Nervenzusammenbrüchen, Herzrasen und Schweißausbrüchen führen. Auch eine panische Angst vor Krankheiten – bei sich oder dem Kind – geht damit einher
  • soziale Isolation: Durch die Schlafstörungen, Panikattacken und mangelndes Selbstbewusstsein ist der Rückzug vor Freunden und Familie ein deutliches Warnsignal. Das ist besonders bei Alleinerziehenden der Fall, wo der Partner als Hilfe direkt nach der Geburt nicht da ist
  • bestimmte körperliche Beschwerden: Während der Angstausbrüche kann es zu Herzrasen und Bluthochdruck kommen, aber im Alltag tauchen auch häufig starke Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme und Magenkrämpfe auf. Das sind sogenannte psychosomatische Symptome, die eine Depression nach der Geburt oft begleiten
  • Selbstmordgedanken: Diese destruktiven Gedanken sind eins der klarsten Warnzeichen jeder Depression. Sobald diese auftauchen, ist externe Hilfe dringend notwendig
  • ambivalente Gefühle dem Baby gegenüber: Mütter mit einer postnatalen Depression beschreiben oft ein Gefühl der Leere und, dass sie keine ehrliche tiefere Bindung zu ihrem Kind aufbauen können. Das schließt Zärtlichkeit und liebevolle Momente nicht aus, sie sind jedoch nicht vorherrschend

Woher rührt eine postnatale Depression?

Bis heute sind nicht alle möglichen Ursachen dieser Depression restlos erkannt worden. Eine große Rolle wird aber den Hormonen zugeschrieben. Die gesamte Schwangerschaft sowie die Geburt sind eine Ausnahmesituation für den Körper und den Geist einer Frau, dabei werden verschiedene Botenstoffe vom Organismus produziert und ausgeschüttet. Sie sorgen normalerweise dafür, dass die Strapazen der Geburt schneller vergessen werden und durch das Fürsorge-Hormon Prolaktin – das auch beim Stillen ausgeschüttet wird – dem Baby die nötige Fürsorge zukommt.

Bei einer postnatalen Depression scheint es, als ob die Produktion dieser wichtigen Hormone zumindest teilweise blockiert sei. Es ist natürlich und allgemein bekannt, dass bei der Geburt der Spiegel von Östrogen und Progesteron absinkt. Sie stabilisieren während der Schwangerschaft die Psyche, beugen Stimmungsschwankungen vor und wirken beruhigend auf den Geist ein. Während den Wehen – und vor allem nach dem Ausstoß des Mutterkuchens – sinkt der Gehalt von Östrogen und Progesteron schlagartig Mutter mit Depressionab, dadurch kann der Grundstein für eine postnatale Depression gelegt werden.

Auch bereits vor der Geburt vorhandene Ängste, wie zum Beispiel existenzielle oder materielle, spielen eine gewichtige Rolle. Manche Mütter befinden sich in einer unsicheren finanziellen Situation und wissen nicht genau, wie es nach der Geburt weitergehen soll.

Wenn der Partner zudem nach einer Trennung bei der Geburt und der späteren Erziehung des Kindes nicht dabei ist, kann das sehr destabilisierend wirken.

Ein weiterer Grund sind psychische Erkrankungen oder Instabilitäten, die bereits vor der Schwangerschaft aufgetreten sind. Dazu zählen wiederkehrende depressive Verstimmungen (eine Art Winterblues, der vorübergeht), Persönlichkeitsstörungen oder Zwangsimpulse, die nicht kontrolliert werden können. Diese werden oft durch Medikamente behandelt, die die Entwicklung des Fötus aber behindern könnten und deswegen abgesetzt werden müssen. Das führt bisweilen zu unkontrollierbaren Ausbrüchen oder spürbaren Verschlechterungen der Stabilität einer Person. Zudem sind die Geburt und die ganze Schwangerschaft eine extreme Umstellung für den Körper und die Psyche jeder Frau, auch von denjenigen, die geistig völlig gesund und stabil sind.

Wie kann eine postnatale Depression diagnostiziert werden?

Es ist zu allererst wichtig, eine postnatale Depression rechtzeitig zu erkennen. Da die Symptome teilweise unspezifisch sind, kann eine eindeutige Diagnose vor der Geburt schwierig sein, besonders wenn die persönlichen Lebensumstände der Schwangeren kompliziert sind. Einige Ärzte bieten jedoch ihren Patientinnen eine relativ neue Methode für die Früherkennung an: Die Edinburgh-Postnatal-Depression-Scale (EPDS). Hierbei handelt es sich um einen umfangreichen Fragebogen, der ausgefüllt werden muss und dann von einem Facharzt ausgewertet wird. Die Skala gilt als zuverlässiges Instrument und konnte bereits in vielen Fällen eine postnatale Depression anzeigen, woraufhin eine Behandlung mit Medikamenten oder einer Therapie eingeleitet werden kann.

Die postnatale Depression behandeln

Eine Behandlung mit Medikamenten (Stimmungsaufheller und Anti-Depressiva) wird nur in schweren Fällen vorgenommen, davor gibt es einige andere Maßnahmen, die der Betroffenen bei der Rückkehr in einen positiven Alltag helfen sollen.

  • eine Paartherapie: Bei zwei erziehungsberechtigten Elternteilen, die in einer Partnerschaft oder Ehe leben, kann der jeweilige Partner eine große Stütze sein und Kraft spenden. Das sowie mögliche Strategien werden in einer Paartherapie ermittelt
  • Hilfe im Haushalt: Besonders die Anfangswochen mit einem Baby können sehr belastend und anstrengend sein. Dafür gibt es die Möglichkeit, eine Haushaltshilfe von der Krankenkasse zu beantragen, die stundenweise unterstützt
  • Psychotherapie: In schwerwiegenden Fällen wird eine psychotherapeutische Behandlung begonnen, damit bereits vorhandene Probleme aufgearbeitet werden können. Die Therapie kann stationär oder ambulant erfolgen, je nach Schweregrad der Depression
  • Hilfe von Familie und Freunden: Bereits etwas mehr Zeit für sich selbst oder mit dem Partner kann ein Stimmungsaufheller sein. Hier können Angehörige oder Freunde sich anbieten, regelmäßig das Baby zu betreuen
  • Viel frische Luft und Tageslicht, hierzu empfiehlt sich im Winter auch eine Tageslichtlampe um die Stimmungslage zu erhöhen.

Fazit:

Eine postnatale Depression ist heute bei weitem keine Seltenheit. Laut medizinischen Studien leiden rund 15 % aller Frauen daran, die kürzlich ein Kind geboren haben. Die ersten vier Wochen gelten gemeinhin als Babyblues, wenn die überstandenen Anstrengungen sowie die Umgewöhnung ihren Tribut fordern. Eine postnatale Depression ist auf keinen Fall ein Zeichen von Schwäche oder schlechten Eigenschaften, die adäquate Behandlung schafft schnell Abhilfe und hilft Mutter und Kind bei der Rückkehr in einen unbeschwerten Alltag.

Quellen & Interessante Links

http://www.postnatale-depression.ch/de

https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/depression-in-verschiedenen-facetten/in-der-schwangerschaft-und-nach-der-geburt

 

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